Schule und Persönlichkeit: ganzheitliche Bildung, fächerübergreifend und methodenorientiert für den Weg ins Leben.

 

Rauchen ist schädlich, Alkohol ist schädlich. Jeder, der raucht oder Bier trinkt, weiß das, und tut es trotzdem. Die vielen Warnungen und erschreckenden Beispiele, die wir fast täglich von den Medien oder von Eltern, Lehrern und Bekannten usw. hören, verursachen vielleicht im ersten Moment ein komisches Gefühl in der Magengegend, halten viele von uns aber dennoch nicht vom Rauchen ab. Ich könnte jetzt natürlich sämtlichen Rauchern oder Biertrinkern die Leviten lesen, indem ich ihren allen einen labilen Charakter und fehlende Selbstbeherrschung vorwerfe. Aber das möchte ich nicht, weil ich selber rauche und Bier trinke. Und ich glaube, dass meine Gründe dafür die Gründe von vielen sind, und dass sich auch einer, bei dem Rauchen noch nicht zur Gewohnheit geworden ist, in den folgenden Beispielen wiederfindet:

Nur noch fünf Minuten, dann ist die Lateinstunde zu Ende, und wir haben große Pause. Ich freue mich darauf, weil der Unterricht ganz schön schlaucht und ich jetzt eine Zigarette vertragen könnte. Ich frage meine Nachbarin, ob sie welche hat und mir eine abgibt. Sie hat welche md gibt mir auch eine. Es gongt. Ich nehme die Zigarette in die Hand und gehe auf den Raucherhof. Schon auf dem Weg dorthin halte ich sie zwischen Mittel- und Zeigefinger, obwohl sie ja noch gar nicht brennt. Ich hoffe insgeheim, dass mich andere mit der Zigarette sehen, weil es 'in' ist zu rauchen und es einen selbstsicheren Eindruck macht.

Rauchen als Prestige

Auf dem Raucherhof stecke ich die Zigarette an und mache einen genüsslichen Zug. Ich bilde mir ein, dass ich nach so einer anstrengenden Lateinstunde die Zigarette brauche. Ja, das tut so richtig gut.

Rauchen als Ventil. Rauchen als Abreaktion

Nach der Schule treffen wir uns alle im Lücke. Wir unterhalten uns über ernste Themen und über Probleme, und ich rauche dabei, wie fast jeder von uns, weil ich mich für wichtig und sehr erwachsen halte. Denn ich glaube, dass es einfach gut aussehen ruß, wie ich ganz lässig an meiner Zigarette ziehe und nachdenklich, ganz ins Gespräch vertieft, meinen Rauch ausblase. Ich möchte Stärke und Überlegenheit beweisen und als interessant und vernünftig gelten.

Rauchen als Ausdruck von Hochmut. Rauchen als Zeichen unbefriedigten Geltungsbedürfnisses   

Ich komme gerade in den Pub. Ich bestelle mir ein Bier. Ich fühle mich verdammt unsicher und hätte gern etwas in der Hand, womit ich mich beschäftigen und woran ich mich festhalten kann. Die Zigarette, die ich mir anstecke, dient mir als Mittel zum Zweck. Ich fühle mich nicht so „nackt“ und überbrücke meine Unsicherheit. Aus demselben Grund bin ich auch ganz froh, dass ich ein Bier in der Hand habe. Wenn ich gerade nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, trinke ich davon oder ziehe an meiner Zigarette.

Rauchen als Überbrückung von Unsicherheit. Rauchen als  Halt

Wenn ich so weitermache, wird es für mich bald  normal sein, dass ich in all diesen Situationen rauche, weil das Rauchen dann für mich zur Gewohnheit geworden ist, wie wahrscheinlich bei meisten unter uns Jugendlichen, die rauchen. Ich finde, dass diese Beispie1e variabel sjnd und eine Begründung  für mein Verhalten die anderen Begründungen nicht ausschließt.

Das, was ich mit diesem Artikel deutlich machen will, ist, dass ich eigentlich nur rauche, weil ich mich hinter der Zigarette verstecken möchte. Ich weiß nämlich ganz genau, dass ich noch weit davon entfernt bin, aus Gewohnheit zu rauchen. Ich brauche also nicht zu rauchen weil ich mich daran gewöhnt habe, sondern weil ich etwas von mir vorspielen will, das ich nicht bin.

Ich beabsichtige, dass mich meine Mitmenschen, besonders meine Freunde, für einen Menschen halten, der nur so vor Selbstsicherheit und Festigkeit strotzt.

Deshalb rauche ich, und deshalb belüge ich mich selbst. Aus diesem Grund ist es für mich auch zu wenig, nicht zu rauchen, nur weil es schädlich ist. Dass ich auf meine Gesundheit achten möchte, ist das Wenigste, obwohl es ja so wichtig ist. Das, was ich will, ist, dass ich mit meiner Unsicherheit und meinem Geltungsdrang auch ohne rauchen oder Bier trinken fertig werden kann, dass ich diese Eigenschaften annehmen kann.

Wenn ich das erreicht habe, habe ich es hoffentlich nicht mehr nötig, mich an Zigaretten oder Biergläser zu klammern.