Schule und Persönlichkeit: ganzheitliche Bildung, fächerübergreifend und methodenorientiert für den Weg ins Leben.

 

Ganz im Gegensatz zu den Geistlichen, dem Klerus, lernten die weltlichen Laien normalerweise weder lesen noch schreiben. Dieses war in keinem der Stände üblich, auch nicht in den vornehmen. Den Adligen schien es geradezu unpassend zu ihrer Standesehre, sich mit geschriebenen Büchern und trockenen Studien abzugeben.

Dabei gab es gelegentlich durchaus Anregungen von Fürsten, die geistig höher standen und einen weiteren Horizont hatten. Beispielsweise von Karl dem Großen, von Otto II. und von Otto III. Jeoch gelang es auch diesen nicht, dauerhaft größere Kreise des Adelsstandes für Bildung zu gewinnen, die im geistlichen Stand völlig normal und üblich war. Adelige und vornehme Herren, die gehobene Stellungen im Staat hatten, waren nicht in der Lage zu lesen oder zu schreiben. Schon gar nicht verstanden sie die lateinische Sprache. Daher waren sie auf Kleriker als Sekretäre angewiesen.

Französisches Vorbild

Nur langsam entstand mit der Ausbildung des Rittertums schließlich auch in Adeliskreisen ein Interesse an geistiger Bildung. Jedoch unterschied sich diese stark von der gelehrten Bildung, die an den Schulen vermittelt wurde. Diese Entwicklung wurde durch mächtige kulturelle Einflüsse angeregt, die seit dem 11. Jahrhundert von Frankreich her Verbreitung fanden. Schon unter Heinrich III. (1039-1056) begann in deutschen Landen in vornehmen Kreisen die Nachahmung von französischen Sitten. Vorbild war dabei der Adel des nördlichen Frankreich und der Provence. Dabei wurden Umgangsformen, Kleidung, Bartschnitt und nahezu alle ritterlichen Gebräuche nach französischer Art übernommen. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts wurde es modern, dass man seine Kinder von französischen Erziehern unterrichten ließ. Auch sollten sie jetzt die französische Sprache erlernen. An den Höfen Deutschlands, großen wie kleinen, fand man Vergnügen an wohlgesitteter geistiger Unterhaltung nach französischem Vorbild . Es wurde Gewicht auf eine "zierliche und anmutige" Redeweise gelegt, auf kunstvollen Gesang und auf Saitenspiel. Wurde die Dichtkunst bisher fast ausschließlich von Geistlichen und Spielleuten gepflegt, so übten sie jetzt auch Ritter aus. Französischer Epen und Lieder fanden in deutscher Übersetzung weite Verbreitung. Insbesondere den Minnesang beanspruchte die Ritterschaft geradezu als Standesprivileg. Dem gemeinen Mann sollte dieser wie auch die Turniere versagt sein. In vielen Dingen fand diese soziale Abgrenzung ihren Ausdruck, zum Beispiel auch in dem Tragen von vergoldeten Stiefelsporen oder von Mänteln in scharlachroter Farbe sowie ganz allgemein in der Anrede als "Herr". Neben dem Waffenhandwerk galt allein die Landwirtschaft als standesgemäße Beschäftigung.

Schließlich kam im 12. und 13. Jahrhundert die Zeit, in der Wolfram von Eschenbach, Harmann von Aue und Gottfried von Straßburg das Epos zur höchsten Blüte brachten sowie Walther von der Vogelweide den Minnesang.

Höfische Sitten

Adlige Knaben wurden normalerweise ab dem 7. Lebensjahr von Privatlehrer ("weise Zuchtmeister") in den ritterlichen Künsten unterrichtet. Dazu gehören Schwimmen, Reiten, Bogenschießen, Fechten, Jagen, Schachspielen und Verse machen bzw. diese zur Laute singen. Der "Burgpfaffe" lies dem Knaben eine religiöse Unterweisung zukommen, gelegentlich wohl auch etwas Unterricht im Lesen oder gar Schreiben. Sache des Zuchtmeisters war auch die sittliche Erziehung, und man legte größten Wert auf Selbstbeherrschung, Ehrfurcht vor Religion und Frauen sowie eine genaue Befolgung der höfischen Sitten. Oft lernten die jungen Adeligen auch Französisch. Zum Abschluss ihrer ritterlichen Erziehung wurden sie häufig an die Höfe weltlicher oder geistlicher Fürsten und manchmal auch in die Fremde geschickt.

Erziehungsziel war der Ritter ohne Furcht und Tadel, tugendhaft, wehrhaft und gesellschaftlich gewandt. Er sollte in Treue zu Gott, zur Kirche und auch zu seinem Lehnsherren stehen und das Recht und die Schwachen schützen.

Gelehrte Damen

Insgesamt war die ritterliche Bildung grundsätzlich verschieden von der Bildung an damaligen Schulen. Sie ist Bildung für Laien, künstlerisch statt gelehrt, nicht lateinisch und nicht schulmäßig. Außerdem ist der Einfluss vornehmer Frauen zu bemerken.

Bei adeligen Frauen hingegen war bereits in der ersten Hälfte des Mittelalters eine gewisse gelehrte Bildung keine Seltenheit. Inzwischen beschäftigten sich die vornehmen Damen allgemein weniger mit den römischen Klassikern oder mit den Kirchenvätern. Als einzige lateinische Schrift verblieb häufig nur noch der Psalter als Andachtsbuch in ihren Händen. Jetzt richtete sich ihr Interesse vor allem auf Romandichtungen, auf Lieder und Schwänke. Sie lernten an den Idealgestalten der Romane, was sie in lateinischen Büchern nicht finden konnten, worauf jedoch die höfische Bildung sehr großen Wert legte. Dies war eben die gelobte Kunst des feinen und tadellosen Benehmens nach allen  Regeln des guten Tons. Erziehung adeliger Mädchen war vielfach Sache von französischen "Zuchtmeisterinnen". So lernten sie oft sogar die französische Sprache und konnten französische Roman lesen. Darüber hinaus wurden sie in Singen, Tanzen, Saitenspiel und in den verbreiteten Unterhaltungsspielen wie Dame und Schach unterrichtet.