Fahrende Arzneimittelverkäufer

Kurpfuscher und Quacksalber

Zur Geschichte von Medizin und Pharmazie

Quacksalbenverkäufer gab es in der Vergangenheit zu allen Zeiten und gibt es durchaus auch heute noch.

Früher standen sie in einer Reihe mit einer ganzen Schar von „wundertätigen“ oder besser gesadt zwielichtigen Zeitgenossen. Solche „Berufe“ waren beispielsweise

  • Wurzelgräber
  • Rötelverkäufer
  • Kräuterweiber
  • Marktschreier
  • Hausierer
  • Laboranten
  • Destillatoren
  • Zahnbrecher
  • Bruchschneider
  • Steinschneider
  • Okkultisten

Im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich Aberglaube und Forschertrieb die Hand reichten, spielten sie eine große Rolle. Der Name „Quacksalbe“ kommt von Quecksilber. Dieses zu der Zeit mit Fett vermengt als Salbe angewendet. Man hielt es für eines der wirksamsten Arzneimittel. Überall wurde es angepriesen.

Quacksalbenverkäufer

Quacksalber oder Quacksalbenverkäufer sind uns in vielen Abbildungen erhalten geblieben. Denn immer wieder wurde der eine oder andere Künstler von dem Geheimnis angelockt, das derartige Verkäufer von Wundermitteln umgab. Man nahm sie gern zum Modell für künstlerisches Schaffen. Kein geringerer als Johann Peter Melchior, der unübertroffene Bildner von Fayencefiguren, schuf einen reizvollen Quacksalbenverkäufer. Die Figur entstammt der Höchster Manufaktur und ist im Jahre 1770 entstanden. Melchior gab seinen Figuren gerne ein hässliches Antlitz, das seinem Quacksalbenverkäufer eine besondere Note verleiht. Aber nicht nur in bäuerlicher Kleidung erscheinen diese Wunderdoktoren, sondern sehr gern in vornehmer Aufmachung, meistens in Begleitung  eines Gehilfen.

Eine andere hübsche Abbildung dieser Art zeigt uns eine Meissener Untertasse aus dem Jahre 1724, eine sehr frühe Arbeit der Meissener Manufaktur. Mit sehr viel Geschick und Redeschwall wird hier unter Assistenz eines Bajazzos das absolut sicher wirkende Heilmittel für jede denkbar Art von Krankheit empfohlen. Selbstverständlich hing das ganze Geschäft, das zu machen war, von der Rede- und Überzeugungskunst des Quacksalbenverkäufers ab. Mit gereimten Sprüchen und Schlagwörtern wurde die andächtig versammelte Kundschaft umgarnt und eingeseift. Da hieß es:

„Zerlassen Menschenfett ist gut vor lahme Glieder,

so man sie damit schmiert, sie werden richtig wieder.“

Zum eisernen Bestand eines solchen Krämers gehörte das berühmte Armsünderfett, also Menschenfett von einem getöteten Straftäter. Dies hätte wohl einer näheren Untersuchung kaum standgehalten und bestand wohl aus vermischtem Schweinefett. Und dann hieß es weiter:

„Die Mumie resolvirt geronnenes Geblüt,

vor Milzesstechen und vor Husten sie behüt.“

Das war dieselbe Mumia vera, die noch in den 70er Jahren des 19ten Jahrhunderts in der Tiermedizin gern verwendet wurde. Ein anderes teures und gesuchtes Mittel war der Granatstein, der mit den folgenden Worten beworben wurde:

„Granat machet das Herz fröhlich und vertreibt die Traurigkeit!“

Elfenbein wurde besonders warm empfohlen:

„Eine halbe Drachme man davon gibt an Gewicht,

es stärckt den Magen, vertreibt die Würm und auch die Gicht.“

Sehr aufschlussreich sind auch folgende Quacksalbersprüchlein:

„Extract von Menschen-Gall getröpfelt in die Ohren,

den Tauben hilffts, ob sie gleich weren so geboren.

So mann die Kröpff am Hals vertreiben will,

frisch Wullkraut man alsdann mit Menschen-Schweiss erfüllt.“

Man sieht auch hier wieder, dass man es mit seinen Versprechungen nicht so genau nahm. Man wollte jedem helfen, und Vielen wurde auch „geholfen“.

Auch Knabenharn - Spiritus Urinae - der noch zu unserer Väter Zeit in der Officin einer Apotheke stand, wurde mit folgenden Worten angepriesen:

„Der Geist von Knabenharn eröffnet und macht dünn,

in mancher Not tut er das seine mit Gewinn.“

Und als Haarpomade gab es folgenden ,,Cholesterin-Ersatz":

„So man von Menschenhaar ein Wasser brennen tut,

mit Honig dann vermischt, zum Haarwuchs ist es gut.“

Weiterhin empfahlen die Salbenverkäufer aus ihrem Sortiment:

  • Olitäten
  • verschiedene Wasser wie Schlag-, Haupt-, Herz-, Brust-, Leber- und Magenwasser,
  • weiter Elixiere,
  • Frankfurter-Pillen und
  • Balsam Sulphuris, der sich bis auf den heutigen Tag gehalten hat und in der ganzen Welt als das bekannte ,,Haarlemer Oel" verkauft wird.

Kampf gegen Kurpfuscher

Ein alter Erlass ist erhalten geblieben, in dem alle diese köstlichen Arzneien aufgezählt werden. Gleichzeitig wurde aber auch darüber Klage geführt, dass die  Pharmazieprodukte der Quacksalbenverkäufern samt und sonders verfälscht seien. Die angegebenen Wasser seien mit gefärbtem Branntwein vermengt, Balsamum Sulphuris und die Olitäten mit Kühn- und Harzöl (Terpentinöl) durchsetzt. Schon damals wurde es für unerträglich empfunden, dass derartige Arzneimittel von Haus zu Haus getragen und auf Märkten unter großen Versprechungen dem nichtsahnenden Publikum aufgeschwindelt wurden. Von Gerichtsherrn, Räte und Beamten wurde gefordert, gegen diesen Unfug einzuschreiten. Jedoch sollte derjenige Verkäufer nicht davon betroffen sein, der gutes Wachholderbeerwasser und unverfälschten Hollunderbeersaft feilhielt.

Der öffentliche Verkauf von Theriac, dieses berühmten und „himmlischen" Wunderdinges, wurde ja schon im Jahre 1493 verboten.

So setzte also damals schon der Kampf gegen Kurpfuschertum und Arzneimittel- Hausierhandel ein. Ein Kampf, der nun schon seit Jahrhunderten mit mehr oder weniger großer Heftigkeit geführt wird und der, wie es scheint, leider noch lange kein Ende nehmen soll !

Was für einen großen Eindruck diese Arzneiverkäufer auf die gläubige und heilsuchende  Menschheit haben musste, können wir uns ganz gut vergegenwärtigen, wenn wir uns vorstellen, dass heute noch im Zeitalter von Aufklärung, Rationalisierung und Technik, Unsummen in die Taschen skrupelloser Wunderdoktoren und Quacksalbenverkäufer fliessen.

Sogar Goethe konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen, wenn es auch bei ihm mehr die Romantik jener Scharlatane war, die ihm auf seiner Reise nach Italien begegneten und die ihn veranlassten, am 19. Marz 1787 aus Neapel folgendes zu schreiben:

,,Man darf nur auf der Straße wandeln und Augen haben, man sieht die unnachahmlichsten Bilder. Am Molo, einer Hauptlärmecke der Stadt, sah ich einen Wunderdoktor, der seine Arkana gegen alle Uebel den bedrängten Gläubigen darbot.“

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok