Gruppenleitung

Gruppenleitung TZI

Erwartung

Was wollen die mir schon über Gruppenleitung erzählen?

Das ist schließlich seit langem mein Beruf, da macht mir so schnell keiner was vor! Aber ich muss schon aufpassen, wie ich mich darstelle, am Ende will mir noch jemand nachsagen, dass ich kein guter Gruppenleiter sei! Ich muss mich da auch schützen, dass mir niemand zu nahe kommt. Man weiß ja, wie schnell einen jemand in die Pfanne haut. Also immer schön langsam.
Was Neues kann ich da wahrscheinlich eh nicht erfahren. Ich hör mir mal an, was die da so machen. Irgendwie werde ich den Tag schon rumkriegen.
Hoffentlich sind die Pausen nicht wieder so kurz! Und gut wär´s, wenn wir früher Schluss machen würden. Vielleicht kann ich mich auch zwischendurch mal verdrücken.
Na ja, ich wird´s halt über mich ergehen lassen...


Fantasie:

Geh zurück zu dem Moment, in dem Du heute morgen aufgewacht bist. Diese so sehr persönliche, intime Situation, erinnere Dich noch einmal daran. Wie war das Gefühl, mit dem Du aufgewacht bist, Deine ersten Gedanken? Hattest Du geträumt? Wärst Du gern noch liegen geblieben, oder bist Du gleich voller Tatendrang aus dem Bett gesprungen – oder voller Stress, weil es schon so spät war?

Zeit spielt für Dein Unterbewusstsein keine Rolle! Jetzt stell Dir vor, Du bliebest noch im Bett liegen für ein Weilchen und dusselst noch einmal etwas ein. Und so im Halbschlaf geht Dir das Thema des heutigen Vormittag durch den Kopf und Du träumst von Deiner Arbeit mit Gruppen. Du erinnerst Dich an all die Tage, Monate und Jahre, ja vielleicht sogar Jahrzehnte, in denen Du mit Gruppen gearbeitet hast. Deine Unsicherheiten fallen Dir ein und das was viel Spaß gemacht hat, all die schönen und auch weniger schönen Erfahrungen, die du gemacht hast. All die Menschen, mit denen Du zu tun hattest, und denen Du mit all deinen Kräften zur Seite gestanden hast.

Und dann wird Dir etwas klar. Vielleicht wusstest Du es schon die ganze Zeit, und Du siehst es jetzt nur noch einmal ganz deutlich vor Dir. Vielleicht fällt es Dir jetzt auch zum ersten Mal ein, wie ein Aha- Erlebnis kommt es über Dich. Dir wird nämlich klar, was Deine persönliche Gabe ist, was Du ganz persönlich den Menschen in Deiner Arbeit geben kannst. Bei allen Schwächen und Unvollkommenheiten, die sicherlich auch da sind, hast Du etwas ganz Besonderes, was nur Du so in diese Arbeit einbringen kannst. Und dieses Wissen erfüllt Dich mit einer großen inneren Freude. So im Halbschlaf träumst Du, als würde Deine Begabung wie ein Licht aus Dir heraus leuchten und die Menschen, mit denen Du zu tun hast, könnten daran teilhaben. Ja, Du freust Dich sehr, den Menschen auf Deine spezielle Weise so viel geben zu können.

Und wie Du diesen Gedanken und diesem wunderschönen Gefühl noch nachspürst, wachst Du erneut auf. Und während Du aufstehst und zum Berufsbildungswerk hierher kommst, nimmst Du das schöne Gefühl noch mit, und es macht Dich neugierig auf den Tag. Was mag er Neues bringen? Vielleicht gibt es auch schöne Überraschungen?

Nun öffne langsam wieder Deine Augen, streck Dich, räkele Dich und gähne herzhaft.
Dann schau Dich einmal hier im Kreis um, sieh die anderen Menschen an. Schau ihnen in die Augen! Vielleicht kannst Du auch in ihnen etwas von dem inneren Leuchten spüren, von dem Du vorhin geträumt hast.
 

Prinzipien von Gruppenleitung

"Wer glaubt, dass ein Gruppenleiter Gruppen leitet..."

Gruppenleiter in der praktischen Arbeit, aus kritischer Distanz hinterfragt. Wie trete ich als Leiter auf? Wie erleben mich die Teilnehmer meiner Gruppe in meiner Leiterrolle? Wie beeinflusse ich durch mein Verhalten als Leiter Stimmung und Produktivität in meiner Gruppe?

Themengruppen auf den Grundlagen von TZI. Grundlagen der Klientenbegleitung nach Roger und die Praxis der Gruppenleitung nach Vopel. Leitungssituationen aus der Praxis, Leitungsrollen und Prinzipien der Gruppenführung.

Grundlagen der klientenzentrierten Beratung

Wurde um 1940 von Carl Rogers begründet und in den 60er Jahren weiter entwickelt. Wird zur humanistischen Psychologie gezählt. (Die Psychotherapie versammelt drei Hauptrichtungen, die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die humanistische Psychologie.)

Es handelt sich um eine nicht direktive Beratungs- und Therapiemethode, bei der der Klient im Mittelpunkt steht. Um diese Grundlage zu betonen, ging man vom Begriff des Patienten ab.

Der zentrale Lehrsatz: Der Klient soll den Begleiter als real oder echt wahrnehmen, als empathisch und ihn bedingungsfrei akzeptierend. Je mehr dies der Fall ist, desto mehr wird er sich aus einem statischen, gefühlsarmen, fixierten und unpersönlichen Zustand weg bewegen. Statt dessen wird er sich stärker in einen Zustand bewegen, der durch ein fließendes, veränderliches, akzeptierendes Erleben differenzierter Gefühle gekennzeichnet ist.

Daraus leiten sich 7 Grundsätze für die klientenzentrierte Beratung ab.

klientenzentrierte Beratung:

 
1. Einstellungen des Begleiters sind notwendig und ausreichend.
2. Der Begleiter soll für seinen Klienten unmittelbar „im Hier und Jetzt“ als partnerschaftlicher Begleiter und Beistand zugegen und zugänglich zu sein.
3. Der Prozess soll erlebnisorientiert auf die phänomenale Welt des Klienten konzentriert sein.
4.  Der Klient verändert seine Erlebnisweise und übernimmt die Haltung des Begleiters sich selbst gegenüber.
5. Nicht der Begleiter bestimmt die Ziele de Prozesses, sondern die dem Klienten innewohnende Kraft zur Selbstverwirklichung. Der Prozess orientiert sich nicht an Mangel oder Defizit, sondern an Wachstumspotentialen.
6. Nicht die Struktur der Persönlichkeit, sondern der Prozess der Persönlichkeitsveränderung steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es sollen nicht Symptome behandelt werden, sondern es verändert sich die Art und Weise, wie der Klient mit seinen Erfahrungen umgeht.
7. Der Klient ist selbstverantwortlich und kein Behandlungsobjekt.
 
Empathie

Präzises einfühlendes Verstehen
 
Der Begleiter ist in der Welt des Klienten zu Hause, er nimmt mehr als nur den Wortsinn auf und versucht, in die Haut des Klienten zu schlüpfen, in sein inneres Bezugssystem, seine subjektive Realität.
 
Akzeptanz

Wertschätzung, bedingungsfreies Akzeptieren
 
Der Begleiter zeigt tiefe und echte Zuneigung für den Klienten, frei von Beurteilungen und Bewertungen der Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen. Er ermutigt und akzeptiert den freien Ausdruck aller Gefühle, das was im Klienten ist und nicht was sein sollte.
 
Offenbar ist der Begleiter zu einer solchen Haltung am ehesten imstande, wenn er den Klienten im Innersten ganz als das akzeptieren kann, was er ist: defensiv, verletzlich, innerlich zerrissen – doch mit ungeheuren Wachstumsmöglichkeiten.
 
Kongruenz

Echtheit als grundlegende Eigenschaft
 
Der Begleiter lässt sich auf eine direkte personale Beziehung von Person zu Person ein und ist in der Beziehung ganz er selber, ohne sich hinter einer Fassade oder Maske zu verbergen. Er ist ehrlich, stimmig, real zugegen und lebt offen seine Gefühle und Einstellungen.
Der Begleiter wird sich dessen deutlich gewahr, was er erlebt oder leibhaft empfindet, und diese Empfindungen sind ihm verfügbar und mitteilbar, und er kann sie in die Beziehung zum Klienten einbringen.
 
Kongruenz erfordert ein vollkommenes Vertrautsein mit dem eigenem fortwährenden, komplexen Fluss des Erlebens.
 

 

Grundlagen der themen-zentrierten Interaktion

 
 
Begründerin: Ruth Cohn
Wurzeln: Psychoanalyse und Humanistische Psychologie
 


a.) Philosophie

 
1. Axiom


existentiell-anthropologisch

2. Axiom
philosophisch-ethisch
 
3. Axiom
pragmatisch-politisch
 
 

b.) Methode

 
Das Strukturmodell der TZI
 
Die Gleichgewichtsthese als zentrales Arbeitsprinzip
 
die existenziellen Postulate
 
1.  (Chairman-) Postulat
Mache dir deine innere und äußere Wirklichkeit bewusst! Benutze deine Sinne und Gefühle so-wie deine gedanklichen Fähigkeiten und entscheide dich verantwortlich von deiner eigenen Perspektive her.
 
2.  (Störungs-) Postulat
Beachte Hindernisse auf deinem Weg, deine eigenen und die von anderen. Störungen und Betroffenheit haben Vorrang: ohne ihre Lösung wird Wachstum verhindert oder erschwert.
 
die TZI- Hilfsregeln

Drücke dich klar aus. Niemand außer dir kennt deine inneren Vorgänge, Gefühle, Gedanken und Motive.
Zuhören, Nachdenken und Aussagen sind unter-schiedliche Tätigkeiten, Gleichzeitigkeit senkt ihr Niveau.
Beachte deine Körpersignale und die von anderen.
Übe deine Sinne (sieh, höre, empfinde,...) um ihrer selbst willen.
Werde wach für deine Gefühle. Sie gehören zu deinem Wert und zu deiner Wichtigkeit. Sie sind gültig für Dich und deinen jeweiligen Augenblick. Sie sind jedoch nicht notwendigerweise gültige Aussagen über allgemeine, intersubjektive Wirklichkeit.
Vertritt dich selbst in deinen Aussagen. Es ist leichter, dies zu tun, wenn du „ich“ sagst und nicht „wir“ oder „man“, außer wenn du sicher bist, dass alle so fühlen.
Halte dich mit Interpretationen von anderen solange wie möglich zurück. Sprich statt dessen deine persönliche Reaktion aus.
Sei authentisch und selektiv in deinen Kommunikationen. Mach bewusst, was du denkst und fühlst und wähle aus, was du sagst und tust. Alles, was gesagt wird, soll so echt wie möglich sein, aber nicht alles, was echt ist, soll auch gesagt werden.
 

Leitung von Gruppen

 

Fragebogen zur Reflexion des eigenen LeiterInnenverhaltens

 

 

  1. Wirkt sich Ihre aktuellen Tagesform manchmal auf die Interaktionen mit Ihren Klienten aus?
  2. Wann haben Sie zum letzten Mal über Ihr Leiter- Verhalten nachgedacht?
  3. Wann wurde Ihre Arbeit als GruppenleiterIn zum letzten Mal supervidiert?
  4. Besprechen Sie regelmäßig Ihre Arbeit mit KollegInnen?
  5. Wann ist Ihnen in den Interaktionen mit Klienten zum letzten Mal ein Fehler passiert?
  6. Lassen Sie in Interaktionen mit Klienten eigene Emotionen zu? Wenn ja, drücken Sie sie auch aus?
  7. Wie reagieren Sie auf den Körperausdruck Ihrer Klienten?
  8. In welchen gravierenden Punkten wird sich Ihre Rolle als GruppenleiterIn / TrainerIn am Hochseilgarten von Ihrer bisherigen Rolle als GruppenleiterIn unterscheiden?
  9. Wann haben Sie sich zum letzten Mal gefragt, was Ihnen Ihre Arbeit als GruppenleiterIn eigentlich bringt? Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?
  10. Wie würden Sie Ihren Leitungsstil charakterisieren?
  11. Nach welchem Konzept arbeiten Sie als GruppenleiterIn?
  12. Welches sind die Grundwerte, auf denen Ihre Arbeit aufbaut?
  13. Was tun Sie, um einem Burnout vorzubeugen?
  14. Wie reagieren Sie auf Störungen in Ihrer Gruppenarbeit?
  15. Stellen Sie sich in den Mittelpunkt der Gruppe oder bleiben Sie am Rand?
  16. Wie gehen Sie mit gruppendynamischen Prozessen in Ihrer Gruppe um?
  17. Welche Unterschiede machen Sie zwischen Klienten, die Sie mögen, und Klienten, die Ihnen unangenehm sind?
  18. Wie manipulieren Sie einen Klienten, das zu tun, was Sie wollen?

 

  "Willst du die Spitze der Leiter erreichen, musst du die unterste Stufe ersteigen." (Sprichwort)

 

 

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